Wie vielleicht manch einer von euch mitbekommen hat, soll der diesjährige Tour de France Sieger Floyd Landis ein Dopingsünder sein. In diesem Zusammenhang und mit denen der Tour vorausgehenden Geschichten ist mir nun auch endlich die Problematik bewusst geworden die sich für einen Spitzesportler ergeben.
Das große Fiasko ist nicht die verfügte Wettkampsperre oder entgangenes Sponsorengeld, sondern vielmehr die an den Pranger Stellung der großen Medienwelt. So möchte ich euch einen kleinen Auszug aus Interviews und Reportagen zu Dopingfällen geben.
- “Das wird mein persönlicher Kreuzzug. Wir müssen alle loswerden, die dopen – ein für alle Mal”, UCI-Präsident Pat McQuaid
- “Dagegen schimpfte “De Morgen” aus Brüssel, Landis sei im Fall einer positiven B-Probe nach Vuelta-Sieger Roberto Heras und Giro-Gewinner Ivan Basso “der dritte Gewinner einer Rundfahrt in Folge, den wir in die Gosse spülen können”, De Morgen
- “Der Himmel fällt mir auf den Kopf.”, Teamkollege von Landis
- “Ich möchte als unschuldig gelten, bis die Schuld bewiesen ist – so machen wir das in Amerika”, Floyd Landis
- “Landis positiv auf Testosteron getestet – Die Tour steht unter Schock. Es war noch nie passiert, dass die Nummer Eins der Tour es riskiert, ihren Erfolg zu verlieren. Die Nachricht fällt auf die Tour wie ein Beil – und dies nur vier Tage nach dem Ende eines Rennens, das sowieso schon enthauptet worden war durch den Ausschluss von Basso und Ullrich.”, La Gazetta dello Sport
- “Am Ende war der Traum nur eine Lüge. Ein weiterer Schlag für den Radsport. Heute weiß man, dass die epische Wiederauferstehung von Landis bei der Tour de France mutmaßlich mit der Einnahme verbotener Dopingsubstanzen verbunden war.”, El Mundo
- “Das ist einfach nur ekelerregend”, Teamleiter Team Gerolsteiner
Die Herren und Damen der internationalen Presse können solche Meldungen ja noch auf Grund des Absatzdranges ihrer Blätter argumentieren, wohin der Pressekodex gekommen ist getraue ich mich gar nicht fragen. Das allerdings internationale Radsportfunktionäre reden “wie erna die Goschn gwochsn is” ist dabei ziemlich traurig.
Die Unterstellungen, die eigenen Gesetze, die Umkehr des Prinzips “Unschuldig bis zum Beweis der Schuld” sind doch eine Anarchie der besonderen Art. Wenn sich z.B. ein Jan Ullrich dagegen wehrt einen DNA – Test durchzuführen, weil er dies für menschenverachtend hält, ist dies diplomatisch gesehen vielleicht der weniger kluge Schachzug, aber die Beweggründe dahinter ausschließlich auf formal-juristische Gründe zu reduzieren finde ich doch bedenklich.
So ein Artikel des ZDF Online, der von Jan Ullrich mehr oder minder bereits als verurteiltem Dopingfall spricht. Sie vergleichen den DNA Test mit den polizeilichen Fahndungsmethoden z.B. nach Sexualstraftätern. Dieser Vergleicht ist nicht zulässig.
- Jan Ullrich ist verdächtig im Sinne eines Vergehens, dass er in Deutschland gar nicht begehen kann
- Er ist die einzig zu testende Person, also ist der Vergleich mit einem Massen DNA Test doch ein bißchen weit hergeholt
- Jan Ullrich muss sich nicht selbst belasten, daraus den Umkehrschluss zu ziehen ist sehr wohl menschenverachtend
Ich finde es schade das es Doping gibt, aber wesentlich schlimmer sind Medien die zuerst diese Leistung fordern um sie anschließend, als wäre dies eine Überraschung zu einem Skandal aufbauschen.
h.